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Biographie

Biographie

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"Passion für Zeitlos-Rundes" (NWZ, 30.09.2026)

Porträt Holzskulpturen des Aichelberger Künstlers Herbert Michael Staudigl werden im Rudolf-Steiner-Haus in Stuttgart ausgestellt. Kugelskulpturen und Farbkreise als Grundelemente. Von Annerose Fischer-Bucher

Sein Material ist Holz. An seinem Haus in Aichelberg steht eine große Skulptur aus Birnenholz „Ohne Titel“, die Raum für Phantasie lässt. Herbert Michael Staudigl fertigt seine Kunstwerke aus jeweils einem einzigen Stamm und sagt auf die Frage, woher er sein Holz habe, dass das Holz meist zu ihm komme.

Die rötliche Farbe im oberen Teil der großen Birnenskulptur stamme von der Gerbsäure des Stammes und das Grau sei durch die Sonneneinstrahlung entstanden. Es zieht sich wie ein Mantel zu beiden Seiten auf den Boden hinunter und die Figur wirkt wie auf Luft liegend, obwohl sie steht, da sich zwischen dem hinteren und vorderen Mantel eine große Aushöhlung ergeben hat.

Der Schwerpunkt des Schaffens von Staudigl ist das Runde als Kreis oder Kugel. „Die Reduktion ist kein Verzicht, sondern eine bewusste Entscheidung fürs Wesentliche“, sagt der Künstler, der Kugeln in allen Variationen und Holzarten in seinem Atelier stehen hat.

„Reduktion ist kein Verzicht, sondern eine bewusste Entscheidung fürs Wesentliche.“

Eine aus Kirsche, eine aus Douglasie und weitere aus Holzarten wie Nussbaum, Pappel, Ahorn, Birke, Eiche, Ulme, Robinie oder aus Obsthölzern wie Apfel. Die Hölzer seien in der Regel aus Laubholz, so Staudigl, weil die Holzstruktur verflochten sei und man mit ihnen dreidimensional arbeiten könne. Er lagere es zwei bis drei Jahre ab. Dadurch werde es härter, zeige aber auch Risse.

Er hat beispielsweise von Reisen Holz einer Platane aus Pompeji oder ein Pistazienholz aus dem Iran mitgebracht. Eine besondere Kugel zu Stuttgart 21 jedoch hat er aus den Wurzeln eines der abgeholzten Bäume gemacht, die er auf dem Grünplatz bei Aichelberg entdeckt hatte.

Sein Werkzeug besteht aus verschieden geformten Stechbeiteln und Knüpfeln, mit denen er in zwei bis drei Tagen eine runde Form als visuelle Vorstufe herstellt. Dann erst arbeite er detaillierter und haptisch nur übers Fühlen, jedoch nicht mehr visuell, sondern quasi blind.

Seine Kunstwerke seien Ausdrücke innerer Schwingungen und das Schaffen von Holzskulpturen sei für ihn immer wieder ein Überwinden, ein Sterben und ein Wiedererstehen.

Nahtod-Erlebnis am Berg
Geprägt hat Staudigl als 24-Jährigen eine Sommergletschertour mit seinem älteren Bruder. In über dreitausend Metern Höhe habe bei Schneesturm und Nebel ein einschneidendes, existentielles Nahtod-Erlebnis seine Sicht auf die Welt verändert.

Ebenso eine Südamerika-Reise mit dem Fahrrad. Im Alter von 19 Jahren sei er der Anthroposophie begegnet. Im Zusammenhang mit einem Studium der Anthroposophie und Theologie bei der Christengemeinschaft in Stuttgart habe er das Schnitzen entdeckt.

Schon in seiner Schulzeit habe er sich für Kunst interessiert, so Staudigl, der 1955 in Breitenbrunn in der Oberpfalz geboren ist. Nach einem Studium der Architektur in Regensburg hat er als Architekt gearbeitet und kam 1991 als Bauleiter zur Wala nach Bad Boll. Dort war er bis zum Eintritt des Rentenalters 2021 beschäftigt. Er wohnte über zwanzig Jahre in Stuttgart, bis er 2002 nach Aichelberg gezogen ist.

Staudigl erzählt bei der Besichtigung seines Ateliers immer wieder von dem, was für ihn hinter seiner Kunst steht und was sie für ihn bedeutet. Er suche ein überpersönliches Ideal, ein ständiges Ringen und Überwinden der eigenen Vorstellungen, die Spuren in seinem Kunstwerk hinterlassen und vom Betrachter wahrgenommen werden könnten.

Die Formen seien Ausdruck seines inneren Lebens. In den ersten Jahren habe er nur Köpfe geschnitzt, um seine Wahrnehmung zu schulen. Bei einem Birkenengel habe er später eine Rundung als eine Art Gesicht geschaffen. Zwei Hände begegnen sich und bilden eine Offenheit im Raum. Im rückwärtigen Teil wurde die natürliche Form zu Flügeln.
 


 

"Der mit dem Holz spricht" (NWZ, 30.09.2010)

Porträt des Aichelberger Holzbildhauers Herbert Michael Staudigl

Seit mehr als 20 Jahren gestaltet der Aichelberger Holzbildhauer Herbert Michael Staudigl Skulpturen. Die Besonderheiten des Werkstoffs Holz ziehen sich durch seine bis zu zwei Tonnen schweren Werke.

Aichelberg. Ein Häuschen mit kleinem Bauerngarten, mitten drin bunte Blüten, daneben ausladende Holzskulpturen - diese malerische Kulisse hoch oben auf dem Aichelberg ist seit sieben Jahren die Heimat von Herbert Michael Staudigl.

"Ich lebe in erster Linie von der Nahrung - den Lebensmitteln wie auch der geistigen Nahrung", antwortet Staudigl schmunzelnd auf die Frage, ob er von seiner Kunst leben könne. Seinen Lebensunterhalt verdient der graduierte Ingenieur für Architektur bei der Bad Boller Firma Wala, seitdem er vor gut 19 Jahren als Projektleiter der Bauherrenseite den ersten Bauabschnitt betreute.

Nahtod-Erfahrung in den Bergen prägte den Künstler

"Ich wäre ungern davon abhängig, meinen Unterhalt über die Kunst zu bekommen - sonst lässt man sich zu sehr auf den Zeitgeist ein", gibt der gebürtige Oberpfälzer zu bedenken, der 1955 im ländlich gelegenen Breitenbrunn geboren ist. Die kleine Landwirtschaft der Eltern prägte den Jungen ebenso wie das Aufwachsen in der Natur - „Ich könnte mir keine schönere Kindheit vorstellen", sagt Staudigl rückblickend.

Nach seinem Architekturstudium ging der junge Mann für ein Jahr auf Weltreise, legte weite Strecken mit dem Fahrrad zurück.

Als er Anfang dreißig war, studierte er für jeweils ein Jahr Philosophie und Theologie, beschäftigte sich eingehend mit Licht und Farbe, machte seinen ersten Schnitzkurs, widmete sich der Malerei.

Bei einer Bergwanderung wurde er gemeinsam mit seinem Bruder und einem weiteren Bergsteiger während eines plötzlichen Wettersturzes auf über 3000 Metern für drei Tage eingeschneit - die erlebte Nahtod-Erfahrung prägte sein weiteres Leben. "Diese Wahrnehmungsschulung begleitet mich seitdem", beschreibt der 55-Jährige sein Erleben, das sämtliche Sinne mit einbezieht.

Herbert Michael Staudigl stellt seine Skulpturen fast ausschließlich aus Laubholz wie Linde, Eiche, Buche oder Douglasie her, das zuvor mindestens zwei Jahre gelagert werden muss.

"Die Hölzer kommen zu mir", meint er schmunzelnd mit Blick auf den Umstand, dass er seinen Werkstoff sehr oft von Nachbarn oder Bekannten angeboten bekommt. Im Vorfeld wisse er nie, was beim Bearbeiten herauskommt. Er versuche, in einen Dialog mit dem Holz zu kommen.

"Die Qualität eines Bildes oder einer Skulptur erkennt man daran, wie oft der Künstler darin gestorben ist", zitiert der Wahl-Aichelberger lächelnd eines seiner Leitmotive - denn während der oft mehrjährigen Entstehung seiner Holzskulpturen gebe es einige Punkte, wo man inne halten müsse - während "man woanders mit Sicherheit erkennt, dass es fertig ist".

Gute Skulpturen aus Holz sind "fast wie ein Heilmittel"

Vorlieben für bestimmte Formen hat der Künstler nicht, wobei in den vergangenen Jahren häufig runde Formen entstanden seien: "Das ist die totale Reduktion auf Zentrum und Peripherie", erklärt Staudigl, der in seiner Arbeit bewusst versucht, Qualitäten der Flächen zu erreichen, die den Menschen gut tun. "Dann ist das fast wie ein Heilmittel, dann kann ich vorhandene Kraft erhalten oder sogar steigern", sagt Herbert Michael Staudigl darüber, mit welcher Einstellung er an seine Arbeiten heran geht, wenn er mit Hohl- und Stecheisen das harte Holz bearbeitet.

"Ich möchte die Dinge nicht lauwarm, suche das intensivere Formerleben", resümiert der Künstler, dessen eigene Entwicklung einen kontinuierlichen Ansatz für seine Arbeit darstellt. „Wahrnehmen, wahr bleiben- das hat mit Wahrnehmung zu tun", komprimiert Staudigl seine künstlerische Aussage, die sich formvollendet in seinen Holzskulpturen wiederfinder.