Biographie




"Der mit dem Holz spricht" (NWZ, 30.09.2010)
Porträt des Aichelberger Holzbildhauers Herbert Michael Staudigl
Seit mehr als 20 Jahren gestaltet der Aichelberger Holzbildhauer Herbert Michael Staudigl Skulpturen. Die Besonderheiten des Werkstoffs Holz ziehen sich durch seine bis zu zwei Tonnen schweren Werke.
Aichelberg. Ein Häuschen mit kleinem Bauerngarten, mitten drin bunte Blüten, daneben ausladende Holzskulpturen - diese malerische Kulisse hoch oben auf dem Aichelberg ist seit sieben Jahren die Heimat von Herbert Michael Staudigl.
"Ich lebe in erster Linie von der Nahrung - den Lebensmitteln wie auch der geistigen Nahrung", antwortet Staudigl schmunzelnd auf die Frage, ob er von seiner Kunst leben könne. Seinen Lebensunterhalt verdient der graduierte Ingenieur für Architektur bei der Bad Boller Firma Wala, seitdem er vor gut 19 Jahren als Projektleiter der Bauherrenseite den ersten Bauabschnitt betreute.
Nahtod-Erfahrung in den Bergen prägte den Künstler
"Ich wäre ungern davon abhängig, meinen Unterhalt über die Kunst zu bekommen - sonst lässt man sich zu sehr auf den Zeitgeist ein", gibt der gebürtige Oberpfälzer zu bedenken, der 1955 im ländlich gelegenen Breitenbrunn geboren ist. Die kleine Landwirtschaft der Eltern prägte den Jungen ebenso wie das Aufwachsen in der Natur - „Ich könnte mir keine schönere Kindheit vorstellen", sagt Staudigl rückblickend.
Nach seinem Architekturstudium ging der junge Mann für ein Jahr auf Weltreise, legte weite Strecken mit dem Fahrrad zurück.

Als er Anfang dreißig war, studierte er für jeweils ein Jahr Philosophie und Theologie, beschäftigte sich eingehend mit Licht und Farbe, machte seinen ersten Schnitzkurs, widmete sich der Malerei.
Bei einer Bergwanderung wurde er gemeinsam mit seinem Bruder und einem weiteren Bergsteiger während eines plötzlichen Wettersturzes auf über 3000 Metern für drei Tage eingeschneit - die erlebte Nahtod-Erfahrung prägte sein weiteres Leben. "Diese Wahrnehmungsschulung begleitet mich seitdem", beschreibt der 55-Jährige sein Erleben, das sämtliche Sinne mit einbezieht.
Herbert Michael Staudigl stellt seine Skulpturen fast ausschließlich aus Laubholz wie Linde, Eiche, Buche oder Douglasie her, das zuvor mindestens zwei Jahre gelagert werden muss.
"Die Hölzer kommen zu mir", meint er schmunzelnd mit Blick auf den Umstand, dass er seinen Werkstoff sehr oft von Nachbarn oder Bekannten angeboten bekommt. Im Vorfeld wisse er nie, was beim Bearbeiten herauskommt. Er versuche, in einen Dialog mit dem Holz zu kommen.
"Die Qualität eines Bildes oder einer Skulptur erkennt man daran, wie oft der Künstler darin gestorben ist", zitiert der Wahl-Aichelberger lächelnd eines seiner Leitmotive - denn während der oft mehrjährigen Entstehung seiner Holzskulpturen gebe es einige Punkte, wo man inne halten müsse - während "man woanders mit Sicherheit erkennt, dass es fertig ist".
Gute Skulpturen aus Holz sind "fast wie ein Heilmittel"
Vorlieben für bestimmte Formen hat der Künstler nicht, wobei in den vergangenen Jahren häufig runde Formen entstanden seien: "Das ist die totale Reduktion auf Zentrum und Peripherie", erklärt Staudigl, der in seiner Arbeit bewusst versucht, Qualitäten der Flächen zu erreichen, die den Menschen gut tun. "Dann ist das fast wie ein Heilmittel, dann kann ich vorhandene Kraft erhalten oder sogar steigern", sagt Herbert Michael Staudigl darüber, mit welcher Einstellung er an seine Arbeiten heran geht, wenn er mit Hohl- und Stecheisen das harte Holz bearbeitet.
"Ich möchte die Dinge nicht lauwarm, suche das intensivere Formerleben", resümiert der Künstler, dessen eigene Entwicklung einen kontinuierlichen Ansatz für seine Arbeit darstellt. „Wahrnehmen, wahr bleiben- das hat mit Wahrnehmung zu tun", komprimiert Staudigl seine künstlerische Aussage, die sich formvollendet in seinen Holzskulpturen wiederfinder.

